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zur_gewalt

Dieser Artikel ist eine Textkopie von http://hambacherforst.blogsport.de/2016/03/18/zur-gewalt/

Ein Erklärungsversuch und eine Zu­sammen­fassung (von einer Einzelperson)

In Presseberichten liest und hört man in letzter Zeit immer mehr über gewaltsame Ausschreitungen im Hambacher Forst. Häufig ist die Rede von Angriffen auf RWE-Mitarbeiter.

Doch was ist wirklich dran an den Vorwürfen? Was sind die Hintergründe?

Ich will versuchen ein paar Dinge klarzustellen, von denen oft ein falscher Eindruck vermittelt wird:

  1. Es war noch nie ein Ziel von uns Mitarbeitern von RWE persönlich zu schaden oder sie einzuschüchtern um unsere Ziele zu erreichen. Das wäre eine sehr fragwürdige Strategie.
  2. Bei Prügeleien geht es immer um Securities von RWE die uns angreifen! Nicht um friedliche Arbeiter. Dieser Unterschied wird meist verschwiegen. (Ausnahme war eine Rangelei, die von dem Boss eines Subunternehmers ausging, nachdem Aktivist_innen einen seiner Radlader erkletterten. Weitere Ausnahmen sind nicht ausgeschlossen, aber mir nicht bekannt.) Die Securities sind von RWE angestellt um uns mit Gewalt daran zu hindern Aktionen gegen RWE durchzuführen. Diese Aktionen haben aber nie das Ziel irgendwen zu verletzen, sondern das Funktionieren des fortschreitenden Abbaus zu stören.
  3. Die Bilanz der gewaltsamen Auseinandersetzungen spricht für sich. Auf unserer Seite, gab es während der letzten drei Jahre gebrochene Nasen, ausgeschlagene Zähne und gebrochene Finger. Verletzte wurden in Untersuchungshaft gesteckt und eine ärztliche Behandlung verwehrt (z.B. nach dem einer von einem Security-Jeep angefahren wurde). Um Kooperation bei der Fingerabdrucknahme zu erzwingen haben Polizist_innen den Aktivist_innen, die meist nur an passiven Blockaden beteiligt waren, gedroht Finger und Arme zu brechen. Außerdem werden immer wieder Schmerzgriffe, Schläge und Hebel angewendet. Mindestens einmal wurde ein Aktivist auf der Polizeiwache bewusstlos geschlagen, um an seine Finger zu kommen, einen konkreten Tatvorwurf gab es nicht. Andere wurden über Nacht ans Bett der Polizeizelle gefesselt. Es sind keine Fälle bekannt bei denen RWE-Securities oder Polizist_innen ähnliche Gewalt von Aktivist_innen erfahren mussten, wie es umgekehrt an der Tagesordnung steht. Ich will uns damit nicht als Opfer inszenieren. In den meisten Fällen wissen wir, worauf wir uns einlassen. Es geht eher darum anzuerkennen, welchen Preis viele von uns zahlen
  4. Öffentlich bekannte Fälle in denen die Polizei gelogen hat, hindert die Presse nicht daran, deren Informationen ungeprüft zu übernehmen. In den allermeisten Fällen, übernimmt die Presse (KStA, Express, WDR, RTL) lediglich die Pressemitteilungen von RWE oder der Polizei, die wiederum Informationen vom RWE Sicherheitsdienst ungeprüft übernimmt. Unsere Pressemitteilungen, werden oft einfach ignoriert. Gegendarstellungen unsererseits werden ebenfalls selten abgedruckt, geschweige denn erfragt. Hierzu ein Beispiel: Bei der Tunnelräumung 2012 hat der Polizeipressesprecher behauptet, der Aktivist im Tunnel habe Stützpfeiler umgetreten und so die Einsatzkräfte und sich selbst in Lebensgefahr gebracht. Die Polizei hat das später selbst zurücknehmen müssen. Doch das Bild eines „Verrückten im Tunnel“ blieb in der öffentlichen Wahrnehmung haften.
  5. Es ist wahr, dass die Lage zunehmend eskaliert. Weder die Polizei, noch RWE mit seinen Securities, noch der Widerstand als Ganzes sind gewaltfrei. Doch während wir versuchen den Wald vor der Abholzung zu schützen und manche sich dabei gegen die bewaffneten Securities oder Polizist_innen zur Wehr setzen, wendet die Polizei und die Securities die Gewalt an, um die weitere Zerstörung des Waldes, der Region und des Klimas abzusichern. Natürlich wäre es schön diese Übermacht auf einem rein friedlichen Wege stoppen zu können und die meisten unserer Aktivitäten sind ja auch auf ein umsichtiges Miteinander ausgerichtet. Doch wenn wir im Wald Polizei und Securities gegenüberstehen, dann ist RWEs Botschaft: „Lasst uns mit der Zerstörung weitermachen, oder unsere Schergen werden euch verprügeln!“ Wir können sie aber nicht einfach weitermachen lassen, denn wir wollen diesen Planeten auch noch für unsere Kinder und Enkelkinder bewohnbar hinterlassen! Ich glaube aber, dass diese Eskalation von Seiten der Polizei auch gewollt ist. Denn wenn sie uns nicht zum Stillhalten bringen können, so können sie wenigstens versuchen den politischen Charakter des Widerstandes mit klischeehaften Bildern zu überdecken. Bilder von fanatischen, gewaltsüchtigen Idioten ohne ernstzunehmende Motivationen. Wenn die Medien nicht über Gewalt berichten können, ignorieren sie uns meistens. So oder so, wird das, worum es bei diesem Kampf eigentlich geht, von ihnen ignoriert. Nämlich die Gewalt zu verhindern die sich weltweit z.B. in Dürren, Kriegen und Flucht schon jetzt bemerkbar macht und regional durch Enteignungen, durch den Staub verursachte Krankheiten usw.. Diese Gewalt ist so viel größer, als alles was hier diskutiert wird! RWE ist einer der vielen Gewalttäter dieser Welt. Aber sie sind hier. Und wir sind hier. Also müssen wir hier versuchen sie aufzuhalten. Eine Diskussion über die Verhältnismäßigkeit der Methoden ist immer wichtig! Wir sollten dabei aber nie aus den Augen lassen, was auf dem Spiel steht und was der Preis für unsere Untätigkeit ist, auch dann, wenn wir nicht diejenigen sind, die ihn zahlen müssen.

Gez.: Eine Einzelperson, die viel Zeit im Hambacher Forst verbracht hat.

zur_gewalt.txt · Zuletzt geändert: 2016/07/26 13:45 von lynx